Empfehlungen der RedaktionKonferenzbesuche mit Kindern

Virtuelle Konferenzen

3 Kinder im Kita- und Schulalter, beide Elternteile vollzeit beschäftigt

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Ich gehe sehr gerne auf Konferenzen. Leider haben sich meine Konferenzbesuche zunehmend in die virtuelle Welt verschoben, ein Hoch auf die hybride Konferenzteilnahme. Wirklich? Naja, teilweise. In der Theorie klingt eine virtuelle Konferenzteilnahme großartig: Daheim im Büro gespannt den Vorträgen zuhören, während die Kinder alleine und ruhig in ihren Zimmern spielen. Die Realität sieht leider anders aus: Am Vormittag lässt es sich zwar gut umsetzen, wenn die Kinder in Kita/Schule sind, aber dennoch ist man versucht, parallel seine E-Mails zu beantworten. Oder am eigenen Paper zu schreiben, weil bei vielen Vorträgen aus der Ferne der Funke einfach  nicht überspringen will. Oder die Waschmaschine noch einmal schnell zu beladen. Dann passen aber die Lunchbreaks leider nie mit den Abholzeiten der Kinder aus Schule oder Kita zusammen, die Konferenzteilnahme am Nachmittag ist unterbrochen von Carearbeit und man bekommt viel weniger von den Vorträgen mit, als man sich vorgenommen hat. Apropos mitbekommen: Leider ist auch die Live-Übertragung nicht immer perfekt, von der Diskussion bekommt man kaum etwas mit und kann selten selber mitdiskutieren. Und im Nachhinein die aufgezeichneten Vorträge anzuschauen, das schafft man meistens auch nicht. 

Auch wenn das sehr demotivierend klingt: Tatsächlich nehme ich weiterhin an virtuellen Konferenzen teil, denn seien wir einmal ehrlich: Besser so als gar nicht. Zeitgleich gönne ich mir eine Präsenzteilnahme pro Jahr. Diese zelebriere ich dann und genieße die Familienauszeit im Hotel (alleine ohne Füße im Gesicht schlafen!), beim Frühstücksbuffet (das Marmeladenbrot nur für mich schmieren!) und während des Gesellschaftsabends (erwachsene Gesprächsthemen!). Ich kann alle Wissenschaftler:innen mit Familienverantwortung nur ermutigen, sich zumindest einmal im Jahr diese Auszeit zu gönnen und ohne Einschränkungen die Vernetzung und den Austausch mit Kolleg:innen zu genießen. Das gibt mir persönlich das Gefühl, wissenschaftlich und kollegial nicht abgehängt zu werden. Meine Erfahrung ist, dass sich eine (oder sogar mehrere) Konferenzteilnahme(n) bei frühzeitiger Planung immer irgendwie umsetzen lässt. Meine bessere Hälfte ist dann immer sehr stolz, die Familie alleine gemanagt zu haben und alle Beteiligten sind nach der “Konferenz-Qualitytime” positiv bestärkt und stolz, wenngleich extrem müde. Gesellschaftsabend und so.

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