Empfehlungen der RedaktionKonferenzbesuche mit Kindern

Eine Sache der Erwartungen

Mutter von drei Kindern, bisher ~10 Konferenzteilnahmen (national und international) mit Kind(ern)

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Wir haben schon einige Konferenzen zusammen mit unseren Kindern besucht, was auch daran liegt, dass mein Partner ebenfalls Wissenschaftler im selben Feld ist und wir nicht immer diskutieren wollten, wer denn nun auf die Konferenz xy darf. Ob das gut klappt oder nicht, ist mit Sicherheit eine Sache der Erwartungen:

Wenn man mit Kindern auf eine Konferenz fährt, dann sollte dringend eine Betreuung organisiert sein – entweder vor Ort oder man muss eine*n Babysitter*in dabei haben. Ob das die*der Partner*in, Oma/Opa oder eine bezahlte Betreuung ist, ist dabei nebensächlich. Gelder zur Unterstützung von Kinderbetreuung kann man dazu manchmal beantragen, z.B. aus Gleichstellungsmitteln der Universität oder sogar bei der Konferenzorganisation (aber Achtung: einige Gleichstellungsbüros vergeben Mittel nur an Mütter, nicht an Väter – was meiner Meinung nach Kinderbetreuung wieder indirekt zur Mamasache macht; aber das ist eine andere Diskussion). Wichtig: Falls beide Partner:innen an der Konferenz teilnehmen wollen und niemand weiteres mitkommt, bedeutet ein Kind dabei zu haben meistens, dass der Wirkungsgrad für beide Partner:innen deutlich kleiner als 50% ist. Die Übergabe-Zeitkosten sind nicht zu unterschätzen.

Mit Babys (unser erstes Kind war mit 4 Monaten das erste Mal dabei – eigenes Namensschild inklusive) klappt das Ganze meiner Erfahrung nach besser als mit Kindergartenkindern, denen altersbedingt schnell langweilig wird und die dann Unterhaltung suchen. Ab Schulalter geht das theoretisch natürlich wieder besser, aber da greift bekanntermaßen die Schulpflicht und die Mitnahme geht sowieso nur noch in den Ferien. Und da will man gelegentlich auch etwas mit seinen Kindern unternehmen, was nichts mit Arbeit zu tun hat. 

Und vor allem: Ein wichtiger Teil der Konferenzen sind das (persönliche oder offizielle) Abendprogramm, wenn man sich mit den schon lange nicht mehr gesehenen Freund:innenen und/oder Kooperationspartnern entspannt treffen kann, um mehr oder weniger abwegige Projekte zu besprechen oder über das Leben zu philosophieren. Wenn Kinder dabei sind, fällt dieser Teil der Konferenz größtenteils weg, weil die Kids natürlich auch ein bisschen Zeit einfordern (und außerdem sehr früh aufstehen, weswegen späte Abende zu sehr kurzen Nächten führen). Das nimmt ziemlich viel Konferenz-Feeling – und auch die Gelegenheit, verrückte Ideen beim abendlichen Bier zu entwickeln, die oft im Sande verlaufen, aber manchmal eben auch den nächsten großen Wurf (zumindest nach eigener Sicht 😉) nach sich ziehen.

Auf der anderen Seite kann es als Eltern schon unheimlich schön sein, seinen Kindern zu zeigen, was man eigentlich so macht. Zumindest für kurze Zeit kann das ein „Warum arbeitest du so lange, Mama/Papa, meine Freund:innene werden auch um 14 Uhr abgeholt?“ schon mal zu einem „Mama/Papa erzählt etwas und so viele hören zu und klatschen dann, das ist cool!“ werden. Und sie erleben, wie viel Spaß man bei seiner Arbeit haben kann. Das ist sowohl für Kinder als auch für Eltern eine gute Erfahrung!

Trotzdem gehe ich mittlerweile lieber alleine auf Konferenzen und starte sie notfalls später und/oder fahre früher nach Hause, um die Zeit unterwegs zu minimieren. Wobei meine Abwesenheit im jetzigen Alter meiner Kids (der Jüngste ist mittlerweile vier) immer weniger ein Problem darstellt.

Fazit: Ja, mit Kindern auf Konferenzen zu fahren kann funktionieren, unter bestimmten Voraussetzungen sogar einigermaßen gut, aber ein richtiges Konferenz-Erleben klappt meiner Erfahrung nach nur ohne Kinder.

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