Dual Career

Dual Career Support an Universitäten: Leider oft nur ein Feigenblatt

Mutter eines Kita-Kinds, beide Eltern Vollzeit in der Wissenschaft beschäftigt

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Mein Partner und ich verfolgen beide eine Karriere in der Wissenschaft. Nach mehreren Jahren Pendel- und Wochenendbeziehung hatten wir das Glück, Stellen an zwei nicht zu weit auseinanderliegenden Universitäten zu bekommen. Das erlaubte uns, wieder zusammenzuziehen und einige Jahre später eine Familie zu gründen. Da wir bei der Geburt unserer Tochter beide befristete Stellen hatten, war jedoch klar, dass wir uns trotz günstiger Arbeits- und Wohnsituation beide weiter bewerben mussten.

Eine erneute Pendelbeziehung, bei der ein Elternteil unsere Tochter nur am Wochenende zu Gesicht bekommt und unter der Woche alle Verantwortung auf dem/der anderen liegt, kommt für uns nicht in Frage. Daher können wir uns entweder nur in einem sehr engen Radius bewerben – oder aber müssen im Falle einer erfolgreichen Bewerbung eine Stelle für den anderen mitverhandeln. Letzteres ist allerdings leichter gesagt als getan: Die meisten Universitäten versprechen auf ihren Websites, dass Dual Career für sie ein wichtiges Thema sei. Leider scheint mir dies oftmals nur ein Feigenblatt. Insbesondere, wenn die Universität selbst dafür verantwortlich wäre, eine Stelle für den/die Partner:in zu schaffen. 

Ich habe hier sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht: Es gibt durchaus Universitäten, die verstehen, dass Wissenschaftler:innen heutzutage nicht mehr einfach nach Belieben mit gesamter Familie quer durch die Republik umziehen können, so wie es vielleicht früher mal der Fall war. Diese bemühen sich, auch ein attraktives Stellenangebot für den/die Partner:in zu machen. Andere Universitäten schmücken sich zwar vordergründig mit einem „Dual Career Service“ und bieten an, Kontakte herzustellen. Letztlich sind sie aber schnell überfordert oder empört, wenn man versucht, ein echtes Dual-Career-Angebot innerhalb der Universität zu verhandeln.

Wir hatten das große Glück, dass ich ein Jahr nach der Geburt meiner Tochter durch eine Rückverhandlung mit meiner eigenen Universität meine befristete Stelle in eine Dauerstelle umwandeln konnte. Sich rein strategisch wegzubewerben, um auf die Rückverhandlung zu pokern, ist allerdings sehr riskant. Jedenfalls dann, wenn man noch gar keine Dauerstelle hat. Denn oft müssen viele begünstigende Faktoren zusammenkommen, damit die Heimatuni ein entsprechendes Gegenangebot macht. Mein Partner ist nach wie vor befristet beschäftigt. Die fortwährende Unsicherheit in Bezug auf unsere Stellenkonstellation belastet und erschwert jegliche mittel- bis langfristige Planung unseres Familienlebens immens.

Es gibt allerdings auch Vorteile einer Dual Career in der Wissenschaft, die der Fairness halber nicht unerwähnt bleiben sollen. Im Vergleich zu anderen Jobs ist unsere hohe Flexibilität und die Möglichkeit zu häufigem Homeoffice ein echter Vorteil. 

Glücklicherweise haben wir beide ein Arbeitsumfeld, in dem sehr viel Offenheit für die Bedürfnisse von Familie besteht. Da wir beide jeweils nicht die einzigen Eltern sind, ist unseren Kolleg*innen beispielsweise bewusst, wie wichtig familienfreundliche Arbeitszeiten sind. Dazu kommt, dass wir mittlerweile beide in der Position sind, viel selbst festlegen zu können. Wir haben unsere Lehrveranstaltungen, Termine und Meetings bewusst so gelegt, dass wir nur an bestimmten Tagen unbedingt an der Universität sein müssen und diese Tage sich nach Möglichkeit nicht überlappen, um Kitaschließ- sowie Krankheitstage möglichst gut abfedern zu können. 

Universitäten haben in dieser Hinsicht ein hohes Potential zu attraktiven Dual-Career-Arbeitgebern zu werden – dieses Potential ist aber momentan bei den meisten Universitäten noch stark ausbaufähig.

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