Homeoffice mit Kindern

Licht und Schatten vom Homeoffice

Mutter, ein Kind im Kita-Alter

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Für mich ist Homeoffice und das Arbeiten von Zuhause ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist es für mich wunderbar, denn nur durch die Möglichkeit, von zuhause zu arbeiten, konnten mein Mann und ich wirklich gleichberechtigt die Elternzeit und die Care-Arbeit im ersten Lebensjahr verteilen. Als unser Sohn fünf Monate alt war, habe ich wieder begonnen zu arbeiten, und mein Mann übernahm die Betreuung unseres Sohnes. Unser Sohn wurde damals noch gestillt, aber da ich ja zuhause im Arbeitszimmer arbeitete, konnte ich bei Bedarf eine Pause machen und stillen (und das ist sogar gesetzlich als Arbeitszeit geregelt). Diese Regelung hat es viel einfacher für mich als Mutter gemacht, früh wieder zu arbeiten, ohne das Gefühl zu haben, dass es auf Kosten des Wohlbefinden oder der gesunden Entwicklung unseres Sohnes geht, und war gefühlt ein großer Schritt in Richtung gleichberechtigte Sorge- und Erwerbsarbeit. Auch heute, wo unser Sohn in der Kita ist, hat Homeoffice immer noch viele Vorteile, da ohne Wegzeiten mehr Arbeitszeit vorhanden ist, ich familiäre Erledigungen nebenbei in den Arbeitspausen erledigen kann und bei Bedarf schnell bei der Kita sein kann.

Andererseits beneide ich meinen Mann manchmal um seinen 10-minütigen Arbeitsweg: Einfach mal rauskommen, sich auf den Tag vorbereiten oder die Arbeit nochmal Revue passieren lassen, kurz verschnaufen und Zeit haben, um zwischen den sozialen Rollen zu wechseln. All das ist nicht gegeben, wenn man als Elter im Homeoffice arbeitet. Stattdessen ist die Realität eher, dass die Videokonferenz noch nicht ganz beendet ist und das Headset noch im Nacken hängt, während man auch schon aufspringt, um das Kind zu begrüßen. Der Wechsel zwischen professioneller und Elternrolle muss innerhalb einer Sekunde funktionieren, ohne Pause oder räumliche Trennung. Für mich heißt Homeoffice auch, dass am Tag eigentlich gar keine kurzen Erholungszeiten oder Ruhepausen gegeben sind, denn wenn ich nicht arbeite, bin ich bei meiner Familie und will mich da natürlich auch einbringen und meinen Mann mit der Care-Arbeit entlasten. Es braucht viel Fokus und Selbstdisziplin, um sich nicht vom Kinderlachen im Nebenraum ablenken zu lassen oder sich einfach zur Familie zu gesellen, sondern stattdessen tapfer ein Paper zu lesen. Ich habe mich so organisiert, dass ich mir feste Arbeitszeiten definiert habe, in denen ich mich wirklich nicht mit anderen Sachen beschäftige. Wenn dann Familienzeit angesagt ist, wird die Arbeit komplett ignoriert. Und ich versuche gar nicht erst, beide Zeiten zu mischen, indem ich zum Beispiel Telefonkonferenzen oder Online-Vorträge besuche, während ich unseren Sohn betreue – das wird beidem nicht gerecht, und ich fühle mich schlecht dabei.

Aber trotz dieser Belastungen kann ich nur deshalb so viel Arbeiten und Forschen, weil ich keine langen Pendelzeiten und flexible Arbeitszeiten habe, weil mein Mann und ich die Sorgearbeit sehr gleichberechtigt teilen, wir sehr organisiert sind und gute Absprachen treffen, und weil wir früh einen Betreuungsplatz in der örtlichen Kita ergattern konnten – und für all das bin ich sehr dankbar!

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