Instrumente zur Förderung

Förderinstrumente – Häufig unpassend und unpraktisch

Mutter, ein Kind im Kita-Alter

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Viele Universitäten und außeruniversitäre Arbeitgebende machen gerne Werbung mit Maßnahmen zur Förderung von Familie und Berufstätigkeit. So nennt sich auch meine Universität mit Stolz „familienfreundliche Hochschule“ und macht das gerne und oft publik. Als ich im ersten Lebensjahr meines Kindes aus der Elternzeit an den Arbeitsplatz zurückkehrte, habe ich dementsprechend mit großem Interesse die Angebote studiert. Meine Bilanz: gemischt bis unpassend.
Ein großes Plus: Meine Universität hat gute Kinderbetreuungsangebote vor Ort, was super ist, da ich großteilig im Homeoffice arbeite und mein Wohnort mehr als 300 km von der Uni entfernt ist. Auf dem Campus gibt es ein Kinderspielzimmer, das man als Eltern/mitgereiste Betreuungsperson alleine oder mit einem:r angeforderten Erzieher:in nutzen kann, komplett mit Außen- und Innen-Spielgeräten, Ruheraum, Küche und co. Auch mobile Kidsboxen sind verfügbar, mit denen die Kinder in den Mitarbeitendenbüros spielen können. Sehr cool, wenn das Kind mal mit muss zur Arbeit.
Jetzt zur Kehrseite: Viele Angebote und Maßnahmen haben irgendwo Haken oder passen absolut nicht auf unsere Lebenswirklichkeit – bei einigen Maßnahmen frage ich mich, ob es überhaupt Lebenswirklichkeiten gibt, auf die das passt. Meine bisherigen Flop-3-Erfahrungen beziehen sich alle auf meinen ersten Versuch, mit Säugling eine Konferenz zu besuchen. Nach meiner ersten Euphorie über all die tollen Möglichkeiten des Familienservices kam schnell die Ernüchterung: 

  1. Finanzielle Unterstützung zur Mitnahme von Säuglingen bei Konferenzreisen orientiert sich am Alter der Kinder, nicht aber nach der Frage, ob das Kind noch gestillt wird. Heißt in der Praxis: Wenn mein Kind weniger als ein Jahr alt ist und ich es auf Konferenzreise mitnehmen will/muss, erstattet mir die Reisekostenstelle alle Ausgaben, egal ob das Kind noch gestillt wird oder nicht. Wie es das Schicksal wollte, fuhr ich aber drei Wochen nach dem ersten Geburtstag meines Sohnes auf Konferenz, als er noch gestillt wurde. Somit wurden die Zusatzkosten für Reservierungen in der Bahn oder Familienzimmer in der Unterkunft dann zum finanziellen Privatvergnügen. 
  2. Selbiges gilt natürlich auch für die Reisekosten für meinen Mann, der als Betreuungsperson mitreiste und unseren Sohn vor Ort versorgte. Tatsächlich gibt es an meiner Hochschule finanzielle Unterstützung für die Betreuung von Kindern auf Konferenzen, aber diese ist limitiert auf max. 80€ (beim Mindestlohn-Stundensatz also etwas mehr als 6 Stunden), bedarf eine offizielle Abrechnung der Betreuungsperson, und darf nur von Personen in Rechnung gestellt werden, die kein Verwandtschaftsverhältnis mit dem Kind haben. Ich hätte mir also vor Ort eine:n Baby-Sitter:in suchen müssen, der:die mir vollkommen unbekannt ist, eine offizielle Rechnung ausstellt, und mein Kind dann für etwas mehr als einen halben Konferenztag betreuen kann. 
  3. Zu besagter Konferenz reiste ich mit der Bahn. Erstaunlicherweise fuhr aus unserem Nachbarort ein durchgehender Zug, ein richtiger Luxus bei einer 700km langen, 10-stündigen Reise. Aber: Zur früh-morgentlichen Abfahrtszeit des Zuges fuhr noch kein ÖPNV in den Nachbarort, und wir haben kein Auto. Die Reisekostenstelle der Uni antwortete nach meiner Schilderung der Sachlage und der Frage, ob eher eine Taxifahrt in den Nachbarort oder eine Übernachtung am Abfahrtsort übernommen werde, mit der Aussage, dass ja auch alternative Zugverbindungen zu einem späteren Zeitpunkt mit minimal vier Umstiegen existierten. Es hat nur vier E-Mails meinerseits gebraucht, um zu erklären, dass solche Alternativen bei der Verlässlichkeit der DB generell, und mit einem Kind im Kinderwagen im Speziellen, äußerst unattraktiv sind und außerdem auch nicht zum Schlafrhythmus unseres Kindes passen. Dann kam – juhu – die Zusage, dass eine Taxifahrt übernommen wird – „im Rahmen unserer Maßnahmen als familienfreundliche Hochschule“.

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